Heimkehrende aus dem spanischen Katalonien zeigten viel Flexibilität bedingt durch Pandemiebestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen

Am ersten Tag des Auslandsaufenthaltes, der mit intensivem Sprachunterricht begann, meint Kyra: „Hier in Spanien, in der neuen Umgebung, ist man ganz anders motiviert“. Kyra ist eine von acht jungen Menschen zwischen 18 und 35 Jahren, die sich Anfang April 2021 auf den Weg gemacht haben, um im Rahmen des durch den Europäischen Sozialfond und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales geförderten Projekts Europe4U, Arbeits- und Lebenserfahrung im europäischen Ausland zu sammeln. „Es ist eine super Erfahrung und eine tolle Chance“, meint auch Kyras Mitbewohnerin in Spanien, Adelina. Die 19-Jährige arbeitete in einem Hundesalon. Und Nils, der in einem Gartencenter arbeitete, möchte sich beruflich auch in Deutschland im Gartenbau weiter engagieren.

Wegen der Corona-Pandemie hat sich die Vorbereitungsphase in die Länge gezogen und die Ausreise musste immer wieder verschoben werden. Teilweise musste sogar das Zielland bis kurz vor Kursstart noch geändert werden. Das erforderte von den jungen Menschen und dem pädagogischen Team ein überaus hohes Maß an Flexibilität:  „Eigentlich wollte ich ja meine Englischkenntnisse verbessern und nach Irland reisen, aber weil die Corona-Zahlen dort so hoch waren, wurde uns angeboten, aus Sicherheitsgründen in Katalonien unser Praktikum zu machen. Jetzt bin ich darüber richtig froh. Ich habe im Intensivtraining noch Spanischgrundlagen dazugelernt und festgestellt, dass ich sogar noch mehr schaffe, als ich geglaubt habe,“ erzählt Kyra. Die junge sehbehinderte Frau hat ein Praktikum auf einem Pferdehof absolviert und wurde dort auf Anhieb gut aufgenommen und in die Arbeitsabläufe integriert.

Der 6-monatige Kurs wird von Arbeit und Bildung e.V. in Kooperation mit der Praxis GmbH, vier regionalen Jobcentern und transnationalen Partnern angeboten. Die 8-wöchige Praktikumsphase, die in Irland oder Katalonien (Spanien) absolviert werden kann, wird durch eine intensive Vor- und Nachbereitungszeit begleitet. Außer einem Intensivsprachkurs, einem breiten Angebot von Trainingseinheiten zu Themen wie Interkulturalität und Kommunikation, gibt es vor allem Unterstützung im Bewerbungsprozess, um die Teilnehmenden für das Praktikum und den weiteren Berufsweg fit zu machen. Teilnehmende mit und ohne Behinderung werden aufgenommen.

 „Neben den beruflichen Herausforderungen sind allein die sprachlichen, sozialen und speziell interkulturellen Kompetenzen, die die Teilnehmer*innen während des Kurses und ihres Auslandsaufenthalts ausbauen können, stärken das Selbstbewusstsein und erleichtern damit die Jobsuche auf dem heimischen Arbeitsmarkt“, so Jana Kuttner und Kollege Žiga Mlakar von Arbeit und Bildung e.V., die als Betreuende die Teilnehmenden in Spanien begleitet haben. Kollege Žiga Mlakar bestätigt: „Es geht neben der beruflichen Herausforderung auch darum, sich mit den kulturellen Gegebenheiten des Gastlandes vertraut zu machen. Dazu gehört auch, das von zu Hause Gewohnte mal eine Zeit lang hinter sich zu lassen“. Mlakar ist selbst ein ehemaliger Absolvent eines europäischen Austauschprogrammes aus Slowenien und hat als Pädagoge in Marburg bei Arbeit und Bildung e.V. Fuß gefasst.

Kursleiterin Jutta Alberti von Arbeit und Bildung e.V. hofft, „dass die Organisation und Durchführung der kommenden Kurse durch die Lockerungen wieder einfacher wird. Auf jeden Fall finden wir für alle Situationen immer eine Lösung. Das haben die letzten Kurse unter Coronabedingungen gezeigt.“

Der Kurs ist für arbeitssuchende Teilnehmende kostenfrei, da das Projekt „IdA – Integration durch Austausch / Europe 4 u“ im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird. Vor Ort wird es durch die Jobcentern Marburg- Biedenkopf, Lahn-Dill, Waldeck-Frankenberg und Gießen unterstützt.